Weltspirituosenbericht 2025


Weltspirituosenbericht 2025
World Whisky
Dawn Davies, Einkaufsleiterin bei The Whisky Exchange, hob die Entwicklung der nordischen Whiskys im Jahr 2025 hervor, die zu den beliebtesten Themenbereichen der diesjährigen Whisky Show in London zählten:
„Wir hatten dieses Jahr zum ersten Mal einen eigenen Bereich auf der Whisky Show, der ausschließlich nordischen Whiskyproduzenten gewidmet war und bei den Besuchern großen Anklang fand.“
Sam Simmons, Whisky-Chef bei Master of Malt, stimmt dem zu. „Wachstum‘ mag für 2025 ein starkes Wort sein, aber skandinavischer und nordischer Whisky hat sich kontinuierlich weiterentwickelt.“ Simmons freut sich außerdem über die Altersangaben von Whiskys mit zweistelligen Jahren aus England und Schweden sowie über 20 Jahren aus Australien (Tasmanien).
Da Konsumenten aufgrund der hohen Preise jedoch zunehmend von Scotch Abstand nehmen, darf der internationale Whisky nicht in dieselbe Falle tappen. „Weiterentwicklung ist das richtige Wort, und die Vorstellung, dass Wahrnehmung gleich Realität ist, hat sich allmählich aufgelöst. Die Menschen sind offener für Ungewöhnliches“, erklärt Simmons. „Ungeachtet dessen spielt der Preis – egal ob japanischer, australischer oder neuer kanadischer Single Malt – eine entscheidende Rolle für die Experimentierfreude.“ Davies sieht die Preisgestaltung als größte Herausforderung, den für kleine Produzenten ist die Preisgestaltung immer schwierig und der Whisky-Boom hat zu künstlichen Preiserhöhungen geführt.
Was die Chancen angeht, meint Davies, dass Regionen, die zusammenarbeiten, wie es in den nordischen Ländern der Fall ist, die größten Erfolgsaussichten haben. Simmons ergänzt: „Wenn nachhaltiges Wachstum anhalten soll, müssen mutige und visionäre Marktführer in die Aufklärung von Konsumenten und Handel investieren, anstatt sich davon abzuwenden.“
Kaitlyn Tsai, globale Markenbotschafterin der taiwanesischen Destillerie Kavalan, sagt, dass jüngere Whiskytrinker besonders offen dafür sind, etwas anderes als Scotch zu probieren: „Hier sprechen internationale Whiskys und insbesondere Kavalans subtropische Reifung und die fassbetonten Aromen die Menschen an, die etwas Einzigartiges suchen.“
In Indien berichtet Heemanshu Ashar, globaler Markenbotschafter von Paul John Whisky, von einem sehr ermutigenden Jahr für indische Single Malt Whiskys: „Die Kategorie wächst weiterhin stark – um etwa 20 bis 25 Prozent – und indische Single Malts halten heute mehr als die Hälfte des Segments im heimischen Premium-Whiskymarkt“ Er fügt hinzu, es sei erfreulich zu sehen, dass die Nachfrage nicht mehr von Sucht nach Neuheiten, sondern von echter Wertschätzung für Whisky getrieben werde. Ashar weist jedoch auch auf einige Herausforderungen hin. Eine davon sei die Sicherung von Angebot und Langzeitlagerung angesichts der weltweit steigenden Nachfrage. Die zweite Herausforderung seien die Regulierungen in den verschiedenen Ländern, die komplex sein können, insbesondere für neuere Whiskyregionen wie Indien, Australien oder Taiwan. In diesem Jahr wurde in Indien der Branchenverband Indian Malt Whisky Association gegründet, um die Kategorie der indischen Single Malt Whiskys zu erhalten, zu fördern und zu schützen.
Auch David Vitale, Gründer von Starward, hat festgestellt, dass die Sucht nach Neuheiten nicht mehr der Hauptkaufgrund ist. Die Nachfrage wandelt sich von reiner Neugier hin zu wiederholten Käufen – die Leute kaufen sich eine zweite und dritte Flasche, nicht nur, um etwas Neues zu entdecken. Der Export bleibt zwar schwierig, aber laut Vitale hat australischer Whisky ein solides Jahr hinter sich, mit Wachstum sowohl etablierter als auch aufstrebender Marken und einer positiven Entwicklung im Inland.
Auch englischer Whisky verzeichnete in diesem Jahr weltweit einen Aufschwung, insbesondere durch die geplante Einführung einer neuen geografischen Herkunftbezeichnung. Dan Szor, Gründer der Cotswolds Distillery, sieht großes Potenzial auf internationalen Märkten, wo das Interesse an Whisky aus der Neuen Welt stetig wächst. Hochwertige, geschmacksintensive Abfüllungen, Tourismus und das Erzählen von Geschichten rund um die lokale Herkunft bieten vielversprechende Wachstumschancen.
Scotch Whisky
Dieses Jahr hat die schottische Whiskybranche in eine wahre Schwebe gebracht. Von Donald Trumps immer wieder aufkommenden und wieder verworfenen Zöllen bis hin zur Weigerung der britischen Regierung, sich mit dem Thema Spirituosensteuer auseinanderzusetzen – die Branche wusste das ganze Jahr über nicht, wie es weitergehen sollte.
2025 begann holprig für die schottische Whiskybranche und sie erlebte im Laufe des Jahres Höhen und Tiefen.
Das Jahr begann schwächelnd: Daten der Scotch Whisky Association (SWA) zeigen, dass der Wert der schottischen Whiskyexporte 2024 im Vergleich zu 2023 um 3,7 % auf 5,4 Milliarden Pfund (6,2 Milliarden €) sank. Mengenmäßig stiegen die Exporte jedoch um 3,9 %, was laut SWA auf veränderte Verbraucherpräferenzen und ein herausforderndes Handelsumfeld hindeutet.
Die ersten Anzeichen für mögliche Zölle gab es Ende 2024 und die Branche verbrachte das gesamte Jahr 2025 im Schatten Trumps. Aktuell unterliegt Großbritannien einem 10-prozentigen Zoll auf alle in die USA exportierten Waren, was die Branche laut Schätzungen der SWA 4 Millionen Pfund pro Woche kostet. Ob aufgrund von Zöllen oder anderen Faktoren – die Auswirkungen sind bei schottischen Whiskyproduzenten bereits spürbar. Einige kündigten offen Produktionspausen an, andere drosselten ihre Produktion vermutlich stillschweigend. Brown-Formans Glenglassaugh stellte im Januar auf ein gemeinsames Produktionsmodell mit BenRiach um, während die Isle of Harris Distillery im April mit einer Produktionspause und Stellenstreichungen nachzog. Selbst Brennereien, die eigentlich ein erfolgreiches Jahr verzeichnen konnten, mussten Rückschläge hinnehmen. InchDairnie, die im Mai ihre ersten Single Malts auf den Markt brachte und im vergangenen Jahr eine Verdopplung ihrer Produktionskapazitäten ankündigte, musste im Oktober aufgrund der weltweit gesunkenen Whisky-Nachfrage Stellen abbauen. Laut Laure Habbouse, Global Marketing bei La Martiniquaise-Bardinet (LMB) hat sich die Nachfrage nach Scotch insgesamt abgeschwächt, wenn auch nicht einheitlich in allen Märkten. Das Konsumverhalten und die Exportdynamik haben sich verändert. Einige Länder sind heute weniger auf Whisky fixiert als in den Boomjahren, insbesondere während und kurz nach der Pandemie.
Die Situation ist nicht auf die schottische Whiskyindustrie beschränkt, doch besonders enttäuschend für die schottischen Produzenten ist die mangelnde Unterstützung durch die eigene Regierung. Die Alkoholsteuer ist seit Februar an den Einzelhandelspreisindex gekoppelt und der Haushalt des letzten Monats bot keine Entlastung für die Destillerien.
Positiver für Scotch war hingegen das in diesem Jahr abgeschlossene Handelsabkommen zwischen Großbritannien und Indien. Dadurch wurden die Einfuhrzölle auf britische Waren von 150 % auf 75 % gesenkt; nach zehn Jahren des Abkommens werden sie auf 40 % fallen. Auch die Zahlen von Euromonitor sind positiv. Das Unternehmen prognostiziert für 2025 einen Anstieg des Scotch-Absatzvolumens um 1,38 % auf rund 883 Millionen Liter und für 2026 ein weiteres Wachstum von 1,85 %. Der Umsatz könnte 52,9 Millionen US-Dollar erreichen, ein Plus von 4,13 % gegenüber 2024, und für 2026 wird ein weiteres Wachstum von 6,03 % erwartet.
Irish Whiskey
Die Aussichten für Whiskey von der Grünen Insel sind optimistisch: Exporte und Besucherzahlen in den Destillerien steigen wieder. Die Zahlen für irischen Whiskey sind positiv. Laut einem Bericht von Bord Bia stiegen die Exporte von irischem Whiskey im vergangenen Jahr wertmäßig um 13 %. Das Wachstum erstreckte sich über alle Märkte. Mengenmäßig legten die Exporte um 3,6 % zu.
Neue Zahlen der Irish Whiskey Association (IWA) zeigen zudem, dass die Zahl der Touristen, die Irlands Destillerien im vergangenen Jahr besuchten, so hoch war wie seit Beginn der Pandemie nicht mehr. Bis Juni 2025 wurden wieder über eine Million Besucher gezählt.
Die Kategorie Irish Whiskey verzeichnete bereits in diesem Jahr Wachstum: Der IWSR prognostiziert für die ersten sechs Monate des Jahres 2025 einen Anstieg des irischen Whiskey-Absatzvolumens um 2 %. Dieses Wachstum wurde unter anderem von Märkten wie Großbritannien (plus 8 %), Indien (plus 23 %) und Japan (plus 27 %) getragen. Während der größte Markt der Kategorie rückläufig ist (die US-Exporte sanken im letzten Jahr um 3,5 %), bieten sich in aufstrebenden Ländern wie Mexiko und Indien vielversprechende Chancen. Die IWA sieht in Mexiko mit seiner wachsenden Mittelschicht, über 130 Millionen Einwohnern und seiner Stellung als 15. größte Volkswirtschaft der Welt eine „große Chance“.
Eoin Ó Catháin, Direktor der IWA, erklärte zu Mexiko, der Exportwert habe sich in den letzten vier Jahren vervierfacht, wenn auch von einem sehr niedrigen Niveau aus. Das größte Exportwachstum der Kategorie im Jahr 2024 verzeichnete Indien, das Großbritannien überholte und nach einem Anstieg von 57,5 % zum fünftgrößten Exportmarkt aufstieg.
Die IWA äußerte Bedenken, dass ab 2026 Exporte aus Großbritannien und den USA in Indien mit niedrigeren Zöllen belegt werden als EU-Whiskys. Das kürzlich abgeschlossene Handelsabkommen zwischen Großbritannien und Indien halbiert zwar die Zölle auf Scotch, irischer Whisky wird jedoch weiterhin mit 150 % Zoll belegt.
Für 2025 wird ein Wachstum des irischen Whiskys erwartet. Laut Euromonitor-Daten wird ein Mengenanstieg von 2,1 % auf 112 Millionen Liter und ein Wertzuwachs von 4 % auf 7,7 Milliarden € prognostiziert. Für 2026 wird ein Mengenwachstum von 2,8 % auf 114 Millionen Liter und ein Wertzuwachs von 6,4 % erwartet.
American Whiskey
Hasan Bakir, Senior Director für Wirtschaftsstudien beim Distilled Spirits Council of the US (Discus), erklärt, dass sich der Preis für amerikanischen Whiskey in den letzten Jahren zwar etwas abgeschwächt habe, dies aber dem allgemeinen Trend auf dem US-Spirituosenmarkt entspreche. Er merkt an, dass sich der Umsatz der Lieferanten mit amerikanischem Whiskey in den letzten zwei Jahrzehnten fast vervierfacht habe und von 1,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2004 auf 5,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 gestiegen sei.
Kate Latts, Co-Präsidentin von Heaven Hill Brands, bestätigt ebenfalls die Widerstandsfähigkeit der Kategorie und hebt die starke Dynamik im Premiumsegment hervor. Es besteht weiterhin eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage nach traditionsreichen Bourbons, die von dem erneuten Fokus der Verbraucher auf Authentizität und Qualität profitieren. Obwohl die Normalisierung nach der Pandemie das Wachstum der Kategorie etwas gebremst hat, treibt Premium-Whiskey aus Amerika das Wertwachstum weiterhin an. Im September eröffnete das Unternehmen seine neue, 200 Millionen US-Dollar teure Heaven Hill Springs Distillery in Bardstown, Kentucky.
Bakir sieht die Premiumisierung als treibende Kraft der Kategorie und erklärt, dass Super-Premium-Whiskymarken mittlerweile ein Viertel des Marktes ausmachen – ein deutlicher Anstieg gegenüber ihrem Anteil von 5 % vor zwei Jahrzehnten. Sie hebt die Segmente Small Batch und American Single Malt (ASM) hervor, die bei den Konsumenten für Begeisterung sorgen. ASM wurde im Dezember 2024 offiziell als Whisky-Kategorie anerkannt. Jamie Siefken, Präsident von Cedar Ridge in Iowa, einem Unternehmen mit Schwerpunkt auf ASM, ist überzeugt, dass das Wachstumspotenzial für ASM in den USA enorm ist. Malt Whisky ist außerhalb der USA die gängigste Whisky-Kategorie.
Die Konsumenten tendieren zu transparenten, auf Herkunft basierenden Marken. Das Interesse an Whisky mit Altersangabe steigt und die Cocktailkultur ist nach wie vor sehr stark. Auch die Anlässe für den Genuss von Whisky erweitern sich – von gehobenen Cocktailbars bis hin zu Erlebnislocations.
Bakir nennt als größte Herausforderung die allgemeinen wirtschaftlichen Bedenken und verweist auf steigende Lebenshaltungskosten und ein gesunkenes Verbrauchervertrauen. Die Zollsituation hat die Lage zusätzlich verschärft und birgt das Risiko, wichtige EU-Märkte und Kanada zu verprellen. Die Abschwächung des seit zwei Jahrzehnten anhaltenden Wachstumszyklus schaffe zudem ein ungewohntes Umfeld für viele Craft-Destillerien, denen möglicherweise die Erfahrung fehlt, um Phasen des langsameren Wachstums zu meistern. Diese Faktoren haben auch zu einer erheblichen Anzahl von Betriebsschließungen, Produktionsunterbrechungen und Stellenstreichungen in der Branche beigetragen, darunter millionenschwere Pfändungen gegen Limestone Farms und Garrard County Distilling.
Es gibt jedoch positive Anzeichen für die Zukunft. Laut Euromonitor-Daten wird der Gesamtabsatz von amerikanischem Whiskey im Jahr 2026 voraussichtlich 476 Millionen Liter erreichen, ein Anstieg um 2,9 % gegenüber den geschätzten 462,6 Millionen Liter in diesem Jahr. Bakir betont die Bedeutung der internationalen Expansion für das Wachstum der Kategorie, da amerikanischer Whiskey derzeit nur einen geringen Anteil am gesamten Spirituosenmarkt ausmacht. Er hebt außerdem Brennereibesichtigungen und die kontinuierliche Innovation im Cocktailbereich hervor - sowohl für Whiskey-basierte Drinks zu Hause als auch in der Bar.
Michael Bilello, CEO der American Whiskey Association, die in diesem Jahr als führende Stimme der Branche gegründet wurde, sieht ebenfalls Chancen im Ausland. Die Organisation fordert die US-Regierung auf, wichtige Handelshemmnisse abzubauen, nachdem die Exporte von amerikanischem Whiskey 1,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 generiert haben.
Quelle: The Spirits Business – verschiedene Artikel
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