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Reifung im Holzfass

Reifung im Holzfass

WhiskyfässerWhiskyfässer

Das frisch aus der Brennblase fließende Destillat (Roh- und Feinbrand oder new make) ist vollkommen farblos und hochprozentig. Es kann je nach Brennverfahren bis zu 94,8 Volumenprozent Alkohol (Ethanol) enthalten und könnte zwar theoretisch getrunken werden, doch des Destillat ist rauh (daher die alte Bezeichnung Raubrannt), unausgewogen und garantiert kein Genuss. Erst die heute in vielen Ländern vorgeschrieben Mindestlagerzeit von 3 Jahren im Eichenfass (The Scotch Whisky Regulation 2009,3.1e Scotch Whisky means a whisky that has been matured for a period not less than three years) macht aus dem Raubrannt einen genießbares Getränk.

In den Anfängen der Herstellung von Whisk(e)y (Uisge Beatha, bzw. Wasser des Lebens) war eine Reifung im Holzfass unbekannt, ja unerwünscht wegen der Kapitalbindung. Ursprünglich war Uisge Beatha eine ungereifte Spirituose, die mit Zusatzstoffen wie Honig oder Heidekraut gewürzt wurde, um die aggressive Natur des Getränks zu unterdrücken und es schmackhafter zu machen.
Erst lange Transportwege ließen erkennen, dass der Transport, also eine Lagerung im Holzfass, eine Qualitätsverbesserung ergab. Bei Führungen durch Brennereien machen aber auch andere Interpretationen die Runde.
Hier eine solche: Ein Konsument hatte mehr „Wasser des Lebens“ als er sofort konsumieren konnte. Er bewahrte den Überschuss in einem Holzfass auf, vergaß seine Reserve, probierte sie erst viel später und machte die glückliche Entdeckung, dass der Rohbrand milder geworden war, sich also verbessert sowie neue Aromen entwickelt hatte. Die Reifung im Holzfass, wie wir sie heute kennen, war geboren. 

Zur Reinigung vorgenutzter Fässer und zur Vermeidung unerwünschter Reaktionen des Whisk(e)y mit möglichen bakteriellen Kontaminationen des Fasses setzte sich das Ausflämmen durch und wurde in den USA zur Pflicht. (Code of Federal Regulations: Bourbon must be aged in new, charred oak containers/barrels).

Die Reifung von Whisky in Eichenholz ist ein dreistufiger Vorgang, der drei verschiedene Prozesse erfordert. Diese drei Prozesse können als additiv, subtraktiv und interaktiv zusammengefasst werden. Es lohnt sich, näher darauf einzugehen:

Dreistufiger Reifeprozess

Der eigentliche Reifeprozess im Holzfass wird in folgende Abschnitte unterteilt:

1. Additive Reifung: 

Das Fass verleiht der Spirituose Geschmack und Charakter. Holzzucker, Eichenaromen und Tannine werden dem Destillat hinzugefügt. Ebenso hat eine vorherige Füllung des Fasses (Sherry, Port) Auswirkung auf Geschmack und Farbe der Spirituose.

2. Substraktive Reifung: 

Das frische Destillat (new make) hat einen scharfen und meist unangenehmen Geschmack. Die hierfür ursächlichen Stoffe diffundieren im Laufe von mehreren Jahren durch das Holz aus dem Destillat, wodurch dieses milder und weicher und nunmehr zum Whisky wird. Der damit einhergehende Schwund an Flüssigkeit wird unbeschwert als The Angel’s Share (Anteil der Engel) bezeichnet. In einem feuchten Klima, wie in Schottland, verdunstet in der Regel mehr Alkohol als Wasser aus dem Fass und der Alkoholanteil der Spirituose sinkt während der Lagerung. 1-2 Prozent werden von den Zollbehörden pro Jahr akzeptiert. Unter trockenen klimatischen Bedingungen, wie in Kentucky, verdunstet hingegen mehr Wasser als Alkohol in den Eichenholzfässern. Der Whiskey verlässt das Fass stärker als er hineingefüllt wurde. In Ländern mit einem wärmeren Klima ist der Schwund durch die durstigen Engel deutlich höher und damit für die Whiskyproduzenten eine ernste Angelegenheit.

Fässer in der Produktion von Whisky werden typischerweise ausgeflämmt. Auf der Innenseite entsteht eine Schicht von verkohltem Holz, die als natürlicher Filter wirkt und unerwünschte Bestandteile (Schwefel) aus dem Destillat entfernt.

3. Interaktive Reifung: 

Wechselwirkung zwischen dem Holz, der Spirituose, den Resten früherer Befüllungen und dem Sauerstoff bewirken chemische und molekulare Reaktionen, die zu neuen Aromen und damit zu neuen Geschmacksrichtungen führen.

Eiche und Destillat beeinflussen und verändern sich gegenseitig. Dieser interaktive Prozess kann dazu führen, dass die verschiedenen Eichenarten unterschiedliche Ergebnisse liefern, da sie sich in der Art ihrer chemischen und biologischen Zusammensetzung unterscheiden: Die unterschiedlichen Eigenschaften wie Dichte, Gasdurchlässigkeit, Gehalt an Hemizellulose, Lignin, Tannine, Öle und Lipide des Holzes usw. wirken sich alle unterschiedlich auf das Destillat aus. Obwohl die moderne schottische Whiskyindustrie bereits über 250 Jahre alt ist, glauben Kommentatoren und Branchenexperten wie Dr. Bill Lumsden von Glenmorangie, dass gerade erst begonnen wird, diesen interaktiven Prozess aus wissenschaftlicher Sicht zu verstehen.

Zeit ist daher von entscheidender Bedeutung, und alle drei dieser Prozesse benötigen genügend Zeit, um stattzufinden. Drei Jahre ist die in Schottland gesetzlich vorgeschriebene Mindestreifezeit, die als Mindestmaßstab für die Qualität des Scotch Whiskys festgelegt wurde. Allerdings erfordern das Klima und die Produktionsbedingungen in Schottland im Allgemeinen, dass der Whisky meist 8 bis 15 Jahre braucht, um seinen Höhepunkt zu erreichen. Klima- und Umweltbedingungen (namentlich Hitze und Feuchtigkeit) haben offensichtlich einen großen Einfluss auf die Reifung – insbesondere die Verdunstung – und daher berücksichtigen verschiedene Länder dies in ihren Produktionsmethoden und Zeitplänen. Es ist eine Binsenweisheit, dass Whisky in wärmeren Ländern schneller reift, aber es ist wichtig, den Unterschied zwischen einer echten, dreistufigen Reifung und der einfachen Verdunstung und Farbannahme zu verstehen.

Die Verdunstung im Laufe der Zeit ist für Brennereien ein komplexes Problem und variiert je nach lokalem Klima – insbesondere der lokalen Luftfeuchtigkeit – weltweit. Die Bedingungen in Schottland führen dazu, dass in der Spirituose der Alkohol schneller verdunstet als das Wasser, was bedeutet, dass der Alkoholgehalt des Whiskys mit der Zeit abnimmt.

Im Gegensatz dazu führen die Bedingungen in Kentucky, USA, dazu, dass das Wasser schneller verdunstet als der Alkohol, was bedeutet, dass der Alkoholgehalt der Spirituose mit der Zeit tatsächlich zunimmt! Eine der Herausforderungen für die sogenannten Whisky produzierenden Länder der neuen Welt besteht darin, mit ihren Reifungsprogrammen das Gleichgewicht oder den Sweet Spot zu finden und gleichzeitig die vielen Kräfte, Anforderungen und finanziellen Faktoren unter einen Hut zu bringen, die bei Neugründungen eine Rolle spielen. Für neue Brennereien, die gereiften Whisky schneller auf den Markt bringen und den dringend benötigten Cashflow generieren möchten, besteht die Versuchung und die wachsende Tendenz, die Reifung in kleinen aktiveren Fässern durchzuführen, um den Prozess angeblich zu beschleunigen. Viele Brennereien in Australien haben jedoch zu ihrem Nachteil festgestellt, dass die Reifung von Spirituosen in 20- oder 50-Liter-Fässern für etwas mehr als zwei Jahre in ehemaligen Weinfässern einen dunklen Whisky hervorbringen kann, der auf den ersten Blick einigen Trinkern reif erscheint, in Wirklichkeit aber nur zwei Jahre alt ist. Die drei oben angesprochenen Reifungsprozesse haben daher nur teilweise stattgefunden: Die additiven und interaktiven Prozesse haben zu einem gewissen Grad stattgefunden, aber es war einfach nicht genug Zeit, damit der subtraktive Prozess vollständig ablaufen konnte. Das Ergebnis ist oft scharfer und trockener Whisky, der nicht ausreichend gereift ist. Die Situation verschärft sich bei Brennereien, die darauf bestehen, ehemalige Weinfässer zu verwenden, die nur geröstet (getoastet) und nicht stark ausgeflämmt sind. Dies bedeutet, dass die Fässer weniger in der Lage sind, die flüchtigen Stoffe und andere aggressive Verbindungen, die durch die Reifung beseitigt werden sollen, zu entfernen (zu subtrahieren!). Dies führt dazu, dass Whisky als „scharf“ beschrieben wird, unabhängig vom tatsächlichen Alkoholgehalt.

Liebhaber von getorften Whiskys sollten sich außerdem darüber im Klaren sein, dass der Torfgehalt mit der Zeit abnimmt. Der Phenolgehalt der Spirituose nimmt mit den Jahren im Fass ab (es gibt wieder diesen subtraktiven Prozess!) und daher sollten diejenigen, die die echten „Rauchbomben“ erleben möchten, nach jüngeren Whiskys suchen und nicht unbedingt nach älteren Abfüllungen.

Einfluss Fass

Wenn wir über alle Faktoren sprechen wollen, die zum Geschmack eines Whiskys beitragen, so gibt es viele Variablen: die Sorte des Gerstenkorns, die Verwendung von Torf, der für die Gärung verwendete Hefestamm, die Dauer und Art dieser Gärung, die Form und Größe der Gärbottiche, die Brennblasen und wie sie betrieben werden, Trennung des Hauptlaufes von Vor- und Nachlauf, die Art des verwendeten Kühlers, das Ausmaß des Kontakts mit Kupfer, das örtliche Klima/die Umgebung und so weiter. Die Nuancen, Kombinationen und Permutationen all dessen sind nahezu unendlich.
Dessen ungeachtet ist es allgemein anerkannt, dass der endgültige Geschmack des Whiskys, den wir in unserem Glas genießen, zu 60–70 % auf den Einfluss des Eichenfasses und der Reifung des Whiskys zurückzuführen ist. Hierbei sind Eiche und Reifung das A und O. Was passiert also eigentlich während der Reifung und warum sollten sich Whiskytrinker dieser Dinge bewusst sein?
Es bleibt also zu klären, wie die Wechselwirkungen zwischen Fass und eingelagerter Spirituose letztendlich zu dem Lieblingsgetränk vieler Konsumenten weltweit führen – also zum Whisky, bzw. Whiskey! Die Realität vor allem in der heutigen kommerziellen Industrie ist, dass die Whiskyproduktion mehr ist, als den Alkohol für ein paar Jahre in Eichenfässern zu lagern und zu warten bis er fertig ist. Heutige Hersteller prägen und formen den endgültigen Charakter und Geschmack ihres Whiskys, indem sie bewusst und strategisch verschiedene Reifungsparameter manipulieren.  Zu diesen Stellschrauben gehören:

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Glengoyne Fässer

Zeit

Ist die Zeitspanne der Reifung im Holzfass. Sie ist ein gravierender Faktor für die Reifung des new make zu einem vollendeten Whisky, denn alle drei vorgenannten Prozesse benötigen genügend Zeit, um im gemeinsamen Zusammenspiel einen vollendeten Whisky zu entwickeln.

Eichenart

Es ist kein Zufall, dass Eichenholz für die Herstellung von Fässern verwendet wird. Küfer nutzen es seit dem Mittelalter. Als Naturholz ist es robust, langlebig und gut für die Lagerung von Flüssigkeiten geeignet. Küfer könnten sicherlich Fässer aus verschiedenen Holzarten herstellen, aber sowohl in der amerikanischen als auch in der schottischen Whiskyindustrie ist die Verwendung von Eichenholz gesetzlich vorgeschrieben (Scotch Whisky Regulations 2009,3.1c: Scotch Whisky has been matured only in oak casks of a capicity not exceeding 700 litres).

Für den Bau von Fässern zum Reifen von Spirituosen werden unterschiedliche Sorten an Eichenholz eingesetzt und zwar amerikanische Weißeiche (Quercus alba), spanische Eiche (Quercus robur, auch bekannt als europäische Eiche), französische Eiche (Quercus petraea), u.s.w.  Allen Eichensorten gemeinsam ist die Zusammensetzung aus 49-54 % Zellulose, 31-33 % Lignin und 22 % Hemizellulose. Abbauprodukte von Cellulose und Hemizellulose durch das Ausflämmen der Fässer sind die Zucker Arabinose, Fruktose, Galaktose, Glucose, Rhamnose und Xylose. Vom Lignin stammen Vanillin (das typische Aroma des Bourbon Whiskey), Coniferaldehyd, Vanillinsäure und p-Hydroxybenzaldehyd, die durch verschiedene Forschungsgruppen als Aromen in allen Whiskysorten nachgewiesen wurden.

Die verschiedenen Eichen haben unterschiedliche Porosität, Gasdurchlässigkeit, Zellstruktur, Holzzucker und chemische Zusammensetzungen, die sich alle darauf auswirken, wie Alkohol, Holz und Sauerstoff miteinander interagieren und so die Entwicklung und den Charakter des resultierenden Whiskys prägen.

Als der aktuelle Single-Malt-Boom in den frühen 1990er Jahren seinen Anfang nahm, war die Situation in der schottischen Whiskyindustrie – wie in den Büchern dieser Zeit überliefert – im Wesentlichen so, dass Whisky entweder in amerikanischen Eichenfässern, in denen zuvor Bourbon lagerte oder in Fässern aus europäischer Eiche, in denen zuvor für Sherry genutzt wurden, zur Reifung eingelagert wurde. Als grobe Verallgemeinerung bleibt dies eine nicht unangemessene Aussage, aber sie ignoriert bequemerweise ein paar Details und lässt sicherlich einige aktuelle Praktiken außer Acht.

Das erste ignorierte Detail ist, dass viele ehemalige Sherryfässer, die in der Industrie verwendet werden, tatsächlich amerikanische Eichenfässer sind.

Die andere übersehene Tatsache ist, dass immer mehr Whisky entweder vollständig oder teilweise in französischen Eichenfässern gereift wird – und das gilt sicherlich auch für andere Whisky produzierende Länder. Französische Eiche ist weniger dicht als das Gegenstück aus amerikanischer Eiche und wird in der Weinindustrie bevorzugt, weil sie dem Wein subtilere Aromen verleiht (die additiven und interaktiven Prozesse!). Allerdings verleiht es dem Wein auch festere Tannine. Das Vorhandensein dieser Tannine muss sorgfältig überwacht und unter Kontrolle gehalten werden, wenn ehemalige Weinfässer aus französischer Eiche anschließend in der Whiskyindustrie verwendet werden, um eine Addition der Tannine aus dem Eichenholz mit den Tanninen aus der früheren Weinfüllung zu einer Überdosierung zu vermeiden. Eine Überdosierung an Tanninen (zer)stört das im reifenden Whisky entstehende Gleichgewicht.

  • Die verschiedenen Eichensorten verleihen den in ihnen reifenden Weinen und Spirituosen unterschiedliche Eigenschaften und Aromen.
    Die an Vanillin reiche amerikanische Eiche verleiht typischerweise süßere Noten, wobei diese Aromen in die Familien Vanille, Kokosnuss und tropische Früchte fallen.
  • Europäische Eiche (in schottischen Whiskykreisen oft als spanische Eiche bezeichnet) verleiht Charakteristika, die typischerweise trockener und würziger sind, einschließlich getrockneter Früchte, Zimt und Zitrusfrüchte.
  • Französisches Eichenholz überträgt eine ungewöhnliche Mischung aus herzhaftem und süßem Aroma von Tabak, Zeder, Nussigkeit, Kaffee und Schokolade.

Diese Unterschiede können in den Besucherzentren einiger Brennereien (Highland Park ist ein gutes Beispiel) hautnah und sehr effektiv erlebt werden. Sie verfügen über Probefässer beider Eichenarten (also amerikanischer Eiche und spanischer Eiche), die beide den gleichen würzenden Sherry enthielten. Die Unterschiede im Aroma des Eichenholzes und im Geschmack der erzeugten Spirituose sind überraschend deutlich! Probieren Sie auch einen Whisky, der in einem ehemaligen Oloroso-Sherryfass aus französischer Eiche gereift ist. Der Kontrast zu den bekannteren Aromen und Geschmacksrichtungen spanischer Eiche, beispielsweise eines Glenfarclas oder eines Aberlour a'Bunadh, wird sehr deutlich sein - trotz des gemeinsamen Nenners Oloroso-Sherry.

In Whisky-Kreisen gibt es oft viel Gerede über die Verwendung von Mizunara-Eiche – einer in Japan beheimateten Eiche. Allerdings handelt es sich hierbei oft mehr um einen Medienrummel als um die Realität. Kommerziell lässt sich Mizunara nur schwer verarbeiten: Erstens muss der Baum in der Regel 200 Jahre alt sein und das Holz ist ungewöhnlich porös, was bedeutet, dass Undichtigkeiten und Verdunstungsstabilität ständig Probleme darstellen. Hochwertige Mizunara-Fässer sind selten und daher ein besonders teures Produkt. Whiskys, die in Mizunara-Eichenfässern reifen oder veredelt werden, sind in der Regel entsprechend teuer. Der allgemeine Konsens unter Experten ist, dass japanischer und schottischer Whisky mindestens etwa 15 Jahre in Mizunara-Fässern benötigt, um die wahren Qualitäten, Eigenschaften und Aromen der Eiche aufzunehmen. Whiskys, die jünger sind oder nur für kurze Zeit in Mizunara-Eichenholz gereift wurden, profitieren nicht von den Eigenschaften, die Mizunara-Eichenholz verleihen kann und sind daher nicht in der Lage, diese zu zeigen.

Frische des Fasses

Wird das Fass zum ersten Mal verwendet oder handelt es sich um ein Nachfüllfass, in dem zuvor bereits eine Zeit lang Whisky gereift war? (Die Terminologie lautet 1st fill, 2nd fill, 3rd fill usw. oder einfach nur refill). Offensichtlich hat ein Fass mit Erstbefüllung einen schnelleren und ausgeprägteren Einfluss auf die Spirituose als ein Fass mit Drittbefüllung. Dies muss jedoch sorgfältig überwacht werden damit der Holzeinfluss das Destillat nicht dominiert oder so stark überwältigt, dass er zu trocken und holzig wird.

Herkunft und Geschichte der Fässer

Die überwiegende Mehrheit der Fässer, die zur Reifung von Whisky (insbesondere Scotch Whisky) verwendet werden, dienten zuvor der Reifung einer anderen Flüssigkeit, z. B. Bourbon Whiskey, Sherry usw. Offensichtlich dringt die vorherige Füllung des Fasses in das Holz ein, verändert seinen Charakter und nimmt auch die eher „offenen“ Holzaromen auf. Auch kann die vorherige Füllung einen Restgeschmack hinterlassen. Daher verleiht ein Fass, in dem zuvor Bourbon lagerte, der Spirituose ganz andere Aromen als ein Fass, in dem zuvor beispielsweise Chardonnay oder Portwein lagerte. Die Verwendung neuer „jungfräulicher Eichenfässer“ (virgin oak) wurde in der schottischen Industrie traditionell gemieden, findet aber in jüngster Zeit bei der Verwendung als Endfass oder für kurze Reifezeiten bei neueren Brennereien Anklang, die jugendliche Spirituosen schneller auf den Markt bringen möchten.

Fassgröße

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Unterschiedliche Fassgrößen

Der Einfluss des Holzes hängt davon ab, wie viel davon im Verhältnis zur Spiritusmenge vorhanden ist. Bei kleineren Fässern ist das Verhältnis der Kontaktoberfläche des Holzes zum enthaltenen Spirituosenvolumen größer, sodass kleinere Fässer das Destillat schneller beeinflussen. Größere Fässer wie 500-Liter-Sherryfässer benötigen somit längere Zeiträume zur Reifung ihres Whiskys als beispielsweise ein 250-Liter-Sherry-Hogshead.

Die Whiskyindustrie setzt daher kleine Fässer für das Nachreifen ein, um auf den Whisky in kurzer Zeit noch etliche Aromen zu übertragen. Neue Brennereien setzen zu Beginn ihrer Produktion gerne kleine Fässer ein um schnell einen guten Whisky für den Verkauf zu bekommen. Hierbei  kann das Destillat zwar viele additive Aromen aufnehmen. Doch die substraktive Reifung konnte nur einen geringen Beitrag liefern – ebenso wurden nur wenige komplexe Aromen durch die interaktive Reifung gebildet.

Die gängige Fassgröße in Schottland und Irland ist das Hogshead (ca. 250 Liter). Es wird in Schottland aus den Dauben des American Standard Barrel (A.S.B.)  zusammengesetzt. Diese Barrel wurden zuvor für die Reifung von Bourbon Whiskey genutzt. Die amerikanische Gesetzgebung erlaubt nur eine einmalige Nutzung der Fässer für die Reifung von Bourbon. Die Fässer werden daher in die Dauben zerlegt und als begehrter Exportartikel an Brennereien weltweit verschifft um dort wieder zu einem Fass zusammengesetzt zu werden. Und das nicht nur zum Reifen von Whisky, sondern auch für Rum. Damit ist die weltweite Nachfrage nach leeren ex-Bourbonfässern immens und führt durchaus zu Engpässen in der Belieferung.

Das Barrique Fass  (ca. 225. Liter) wird bevorzugt in der Weinproduktion eingesetzt. Das traditionelle Fass bei der Herstellung von Sherry ist das Butt (ca. 500 Liter). Der Portwein reift im Pipe (ca. 550 Liter), der Madeirawein im Drum.

In den Jahrzehnten zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den frühen 2000er Jahren war es üblich (wenn nicht sogar unumgänglich), dass die 200-Liter-ex-Bourbonfässer in ihre einzelnen Dauben zerlegt nach Schottland verschifft wurden. Durch eine Erhöhung der Anzahl der Dauben wurde das Fass größer. Anschließend wurden größere Deckel oder Köpfe angebracht, um den größeren Durchmesser zu verschließen. Aus fünf ex-Bourbon-Fässern wurden anschließend vier Hogsheads hergestellt (zu sehen bei der Speyside Cooperage in Craigallachie) und so war es möglich, in jedem Lager in weniger Fässern eine größere Mengen an Whisky unterzubringen. Während Hogsheads immer noch regelmäßig zur Reifung von Sherry verarbeitet werden und anschließend ihren Weg in die schottische Industrie finden, handelt es sich bei der überwiegenden Mehrheit der Hogsheads in Schottland heute tatsächlich um ex-Bourbon – eine Tatsache, die oft unterbewertet und nicht allgemein anerkannt wird.

Die Küferei ist ein aussterbendes Handwerk und die Lohnkosten der Küfer sind hoch. Daher ist die Praxis der erneuten Küferei zur Vergrößerung der Fässer in Ungnade gefallen und ehemalige Bourbonfässer werden heute im Allgemeinen im Ganzen über den Atlantik verschifft. Die Reaktion vieler Brennereien besteht darin, ihre Fässer nun mit einem höheren Alkoholgehalt zu befüllen. Es war früher gängige Praxis, die Spirituose mit Wasser auf eine übliche Füllstärke von 63,5 Vol% einzustellen, bevor die Fässer für den langen Ruhezeitraum abgestellt wurden. Um die Anzahl der benötigten Fässer zu reduzieren werden mittlerweile die Fässer in vielen Brennereien mit einem höheren Alkoholgehalt von 65–69 Vol%. befüllt. Dies ist einer der Hauptgründe, warum viele unabhängige Abfüllungen von Single-Cask-Abfüllungen heute mit einem Alkoholgehalt von 59–62 % auf den Markt kommen, während bis vor 10–15 Jahren eher ein Alkoholgehalt von etwa 55–59 Vol% die Norm war. (Höhere Füllstärken sind jedoch nichts Neues. Es ist beispielsweise eine höhere Füllstärke, die es Glenfarclas ermöglicht, seine 105°-Abfüllung anzubieten – selbst bei Altersangaben von 22 und 40 Jahren!)

Wie bereits festgestellt, kann die Reifung – oder zumindest der Einfluss von Holz – in kleineren Fässern aufgrund des Verhältnisses der Oberfläche des Holzes zur enthaltenen Flüssigkeit schneller erfolgen. Ungeachtet der Tatsache eines  Mangels an gereiftem Whisky, der zur NAS-Explosion führte, könnte der höhere Anteil an schneller reifenden 200-Liter-Fässern gegenüber 250-Liter-Hogsheads in der Branche heutzutage ein weiterer Grund sein, warum Brennereien in letzter Zeit bereit und in der Lage sind, jüngere, aber immer noch beeindruckende Abfüllungen herauszubringen – beachten Sie die jüngsten Veröffentlichungen zahlreicher 8-jähriger Whiskys mit Altersangabe mehrerer bekannter Marken.

Es waren die alten Brennereien von Allied Distillers (hauptsächlich Laphroaig und Ardmore, beide heute Teil von Beam/Suntory), die das quarter cask zu einer Tugend machten. Quarter casks haben ein Fassungsvermögen von 125 Litern und fassen damit etwa die Hälfte eines Hogsheads, was zu einer schnelleren Reifung führt (unter sonst gleichen Bedingungen!). Laphroaig nutzte dies mit großem Erfolg bei der ursprünglichen Markteinführung von Laphroaig Quarter Cask im Jahr 2004. Der Whisky reifte etwa fünf bis sechs Jahre lang in normalen Bourbonfässern und wurde dann etwa sechs Monate lang in Quarter Casks nachgereift. Das Ergebnis war ein scheinbar voll ausgereifter Whisky, der ein völlig anderes und ausgeprägtes Geschmacksprofil aufwies als sein älterer 10-jähriger Stallgefährte. Da der Phenolgehalt im Whisky mit der Zeit abnimmt, werden die jüngere Abfüllung aus einer Nachreifung im Quarter Cask auch als torfiger wahrgenommen wurde als ihre 10-jährige Schwester).

Klima

Zugegebenermaßen ist dies ein Parameter, den Brennereien nicht besonders „kontrollieren“ oder beeinflussen können. Sie erben einfach die Umgebung und das Klima der Region, in der sie ihr Lagerhaus errichten. Es überrascht nicht, dass das durchweg kühle und feuchte Klima Schottlands einen ganz anderen Einfluss auf die Reifung hat als die heißen und feuchten Bedingungen beispielsweise in Indien, das sich wiederum von den heißen und trockenen Bedingungen in Australien unterscheidet. Im Vergleichen zu diesen Regionen ist der reifende Whiskey in Kentucky, USA, starken Temperaturschwankungen durch warme Sommer und eiskalte Winter ausgesetzt. Brennereien – insbesondere die Bourbon-Produzenten in Kentucky – nutzen sogar das Mikroklima zu ihrem Vorteil, indem sie Fässer „vertikal“ durch ihre Lagerhäuser transportieren, um bei der Reifung von den wärmeren Temperaturen oben im Lagerhaus zu profitieren, verglichen mit den niedrigeren Temperaturen auf den unteren Ebenen.

Während der Lagerung im Holzfass ist ein Schwund der eingelagerten Flüssigkeit durch das Holz zu beobachten. Dieser Verlust an Flüssigkeit wird unbeschwert als The Angel’s Share (Anteil der Engel) bezeichnet. In einem feuchten Klima, wie in Schottland, verdunstet in der Regel mehr Alkohol als Wasser aus dem Fass und der Alkoholanteil der Spirituose sinkt während der Lagerung. 1-2 Prozent werden von den Zollbehörden akzeptiert. Unter trockenen klimatischen Bedingungen, wie in Kentucky, verdunstet hingegen mehr Wasser als Alkohol in den Eichenholzfässern. Der Whiskey verlässt das Fass meist stärker als er hineingefüllt wurde. Whiskyproduzenten in Ländern mit einem wärmeren Klima ist der Schwund durch die durstigen Engel deutlich höher und damit für sie eine ernste Angelegenheit.


Quelle: Whisky & Wisdom ; Januar 2022 – überarbeitet und ergänzt von Dr. Jürgen Setter

Bildquelle: Diageo (Titelbild) | Glengoyne (Glengoyne Fässer), eigene Aufnahme (unterschiedliche Fassgrößen)



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